Sogenannte "Ansatztrainer" - kritisch betrachtet

z.B. Dämpfer, Übungsgeräte...

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ruccillo
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Sogenannte "Ansatztrainer" - kritisch betrachtet

Beitrag von ruccillo » Samstag 5. Oktober 2019, 19:43

Justus von Liebigs Minimumgesetz besagt, dass sich ein Organismus nur so weit entwickeln kann, wie es die knappste Ressource erlaubt. Übertragen wir das Minimumgesetz auf die Bläsermuskulatur, müssten wir zunächst die knappste Ressource heraus finden, im Zweifel also jene Muskelpartie, die die Tonerzeugung am stärksten limitiert. Das erscheint mir angesichts der Komplexität der menschlichen Gesichtsmuskulatur ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein. Beim Trompeten sind eine Vielzahl von Muskeln und Nerven beteiligt. Schaut man sich die angebotenen Ansatztrainer genauer an, wird man feststellen, dass vielfach nur bestimmte Muskeln trainiert werden. Trainiert der U-Trainer Muskeln, die der Bläser braucht? Oder lassen sich mit dem zwischen die Lippen geklemmten Kaffeelöffel Ansatzprobleme beheben? Oder kann der Hoffmann "Ansatztrainer" mehr als nur das Mundstück (ja - dämpfen)? Zweifel sind angebracht.

Versuchen wir es also mit dem gesunden Menschenverstand.

Bevor man überhaupt den Kauf eines "Ansatztrainers" in Betracht zieht, sollte man meines Erachtens an der eigenen Technik feilen. Leider sind die wenigsten Trompetenlehrer(innen) in der Lage, die erforderlichen Grundlagen zu vermitteln. Im Internet kursieren unzählige "Patentlösungen" - das Meiste davon entbehrt jedweder vernünftigen Basis. Eine didaktisch vorbildlich aufbereitete Ausnahme ist das Video von Charlie Porter, wie bereits an anderer Stelle hier im Forum gepostet:

https://www.youtube.com/watch?v=lLE_-ly8hrQ

Am Ende des Tages steht die Erkenntnis, dass der beste "Ansatztrainer" einerseits - und als solide Grundlage - im Aneignen bewährter bläsertechnischer Methoden und Kniffe besteht und andererseits in der täglichen Spielpraxis einschließlich der Übungen nur mit dem Mundstück. Damit kann man schlichtweg länger üben - und Verspannungen abbauen.

Wir müssen uns dabei darüber im Klaren sein, dass es hundertfacher Wiederholungen bedarf, bis etwas "sitzt". Fatalerweise vergessen wir das zuletzt Erlernte wieder zuerst. Wenn wir abends etwas einstudieren, sollten wir es uns morgens gleich wieder ins Gedächtnis rufen, sonst fangen wir Abends wieder nahezu bei Null an. Nur in der Wiederholung liegt die Kraft.

Fazit: Ansatz ist nicht käuflich. Ansatz ist die Synthese aus Begabung, Methodik und Training. Oder anders ausgedrückt: Erst einmal bei sich selbst beginnen.
Theorie ist, wenn jeder weiß, wie es geht, aber nichts funktioniert. Praxis ist, wenn´s funktioniert, und keiner weiß warum.

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