Die ersten Schritte im Jazz

Hier geht es um Improvisieren , Stilistik , halt alles was mit Jazz bzw. Moderner Musik zu tun hat

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trumpetitsta26
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Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von trumpetitsta26 » Montag 1. September 2014, 12:28

Hallo!
Ich bin klassischer Trompeter und möchte mich jetzt dem Jazz spezialisieren.
Wie würdet ihr beginnen?
Wie war es bei euch?
LG

Blind Wolf
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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Blind Wolf » Montag 1. September 2014, 14:25

Such dir jemanden, der schon Jazztrompete spielt, hör dir jede Menge Jazz auf Tonträgern an, alle Richtungen, hör dir Livekonzerte an. Geh in die Szene. Theorie lesen ist auch ok, aber der direkte menschliche KOntakt ist wichtiger.
Grüße von Wolf
Möge der Krach mit euch sein!

buddy
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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von buddy » Montag 1. September 2014, 17:40

Wolf hat schon recht, für das Üben daheim empfehlen sich Aufnahmen deiner Lieblingstrompeter, bei denen man nach und nach einige Stellen oder ganze Solos "heraushört" und nachspielt.

Weil es aber viel leichter ist, etwas beim Hören zu erkennen, was man schon vom "trockenen" Üben im Ohr hat, macht es außerdem Sinn, sich mit den etwas spezielleren Skalen und Akkorden des Jazz zu beschäftigen.
Ein interessantes Heft für den Einstieg ist dazu bei Schott erschienen: http://www.stretta-music.com/search/q/o ... 80337.html

Ansonsten hilft ein kleiner Überblick zu wichtigen Skalen: http://www.jazzbooks.com/mm5/download/F ... llabus.pdf
Zum Einüben solcher Skalen gibt es nützliche musikalische Begleitautomaten (PC-Programme) wie Band In A Box und Play-Alongs wie die von Jamey Aebersold.
Seine umfangreichen Tips für das Üben von Jazz sind kostenlos: http://www.jazzbooks.com/mm5/download/FQBK-handbook.pdf
Play-Alongs mit teilweise Demo-Tracks für den Anfang:
http://www.stretta-music.com/search/q/a ... 00256.html
http://www.stretta-music.com/search/q/a ... 23086.html

Solos von Lennie Niehaus über bekannte "leichte" Standards, eingespielt von Bobby Shew und damit ideal für das Nachahmen einer jazzigen Phrasierung:
http://www.stretta-music.com/search/q/a ... 96787.html

Wenn Du die Möglichkeit dazu hast, dann schließe dich einer Big Band an. Das ist macht jede Menge Spaß und man lernt durch die Proben und Kollegen-Kontake viel vom Handwerkszeug des Jazz.

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Bixel » Montag 1. September 2014, 22:46

trumpetitsta26 hat geschrieben:Ich bin klassischer Trompeter und möchte mich jetzt dem Jazz spezialisieren.
Wie würdet ihr beginnen?
Falls ein rein intuitiver Zugang (Hören -> Spielen) dir nicht möglich ist (worauf deine Frage schließen lässt), wären m.E. einige initiale Stunden bei jemandem aus deiner Umgebung sinnvoll, der Jazz so spielen kann, wie du es gerne können möchtest.

Wenn du die Sache schwerpunktmäßig mit der Lektüre von Fachliteratur beginnst (siehe z.B. Tipps des Users buddy), bin ich hinsichtlich einer langfristig befriedigenden Perspektive äußerst skeptisch.

Es ist m.E. wichtig, dass dir jemand das hoch komplexe Informationsangebot entwirrt und anfangs die richtigen (und didaktisch sehr wichtigen) Vereinfachungen vornimmt.

Ansonsten gilt es vor allem, viel Jazz zu hören, denn ohne Input kein Output.

Viel Erfolg - und Willkommen im TF!

:Winke:
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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Tacet » Dienstag 2. September 2014, 09:21

Drehe dir Zeit zurück, falls du älter als 14 bist und höre dir jeden Tag diese Musik an.

Sonst klingst du als Jazztrompeter so wie viele (zu) Spätberufene.
Mit schauderhaftem Klassikvibrato und auswendig gelernten "heißen" licks...null time, null feeling...

Klingt dann eben wie Heino...aber andererseits hören die meisten den Unterschied ja sowieso nicht...also auch egal,
spezialisiere du dich mal!

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von trumpetitsta26 » Dienstag 2. September 2014, 09:43

Danke für die tollen Antworten :D

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von buddy » Dienstag 2. September 2014, 10:27

Bixel hat geschrieben:Es ist m.E. wichtig, dass dir jemand das hoch komplexe Informationsangebot entwirrt und anfangs die richtigen (und didaktisch sehr wichtigen) Vereinfachungen vornimmt.
Genauso ist es, daher habe ich das Buch mit CD von Ollie Weston und Mark Armstrong als ersten Tip gegeben. Ollie Weston unterrichtet an der Guildhall School of Music Saxophon für Jazz Anfänger.
Mark Armstrong unterrichtet Trompete am Royal College of Music und ist stellvertretender Leiter des National Junior Jazz Orchestra, außerdem Ausbilder und Prüfer der ABRSM, einer gemeinnützigen Organisaton zur graduierten Musikausbildung.

Beide Autoren sind offenbar in der Ausbildung von Anfängern in Sachen Jazz genauso erfahren wie als "praktizierende Jazz Musiker", was an ihrem Buch angenehm auffällt. Ich kaufe mir gerne Noten und Unterrichtsliteratur, zumal ich mit Lehrern schon mehrfach die Erfahrung gemacht habe, dass sie im Unterricht genauso auf dem Schlauch standen wie ich, nur eben aus der anderen Perspektive.

Man kann sich aufgrund der Vorschaufunktion beim Notenversender Stretta einen eigenen Eindruck vom Aufbau des Buches und dem Anfang der ersten Lektion machen.
http://www.stretta-music.com/search/q/w ... 80337.html

Hier ist ein kleiner Workshop aus den USA, über den ich bei Youtube gestolpert bin:
https://www.youtube.com/watch?v=dw7ArLW0zEU
https://www.youtube.com/watch?v=vQOa1q8QL6o

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Bixel » Dienstag 2. September 2014, 10:49

buddy hat geschrieben:Ich kaufe mir gerne Noten und Unterrichtsliteratur, zumal ich mit Lehrern schon mehrfach die Erfahrung gemacht habe, dass sie im Unterricht genauso auf dem Schlauch standen wie ich, nur eben aus der anderen Perspektive.
Man kann fraglos an Lehrer geraten, die den Vorteil persönlicher Präsenz nicht zu nutzen in der Lage sind.
Dann kann man sich ebenso gut/schlecht mit Unterrichtsmedien aller Art eindecken.

Entscheidend für die Wirksamkeit einer Herangehensweise an Jazz ist doch, was "hinten 'raus kommt".
Das kann aber nur bei Spielern beurteilt werden, die von sich hören lassen.

Die sorgfältige Sichtung und Bearbeitung des Medien-Angebotes schafft im ungünstigsten Fall (lediglich) Medienkompetenz.

Auch das kann man ja ohne Weiteres als einen großen Gewinn betrachten wollen.

:gut:
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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Blind Wolf » Dienstag 2. September 2014, 12:05

OK, man kann sich im Angebot der Medien, Print, Video und Audio, der Stile und praktizierenden Musiker verirren, aber ganz ohne Ab- und Irrwege wird es nicht gehen. Man macht sich auf die Reise, und nicht nur die Hauptbahnhöfe, auch die kleinen Provinzbahnsteige können interessant und wichtig sein bzw. werden.
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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von buddy » Dienstag 2. September 2014, 15:02

Bixel, Du unterrichtest soweit bekannt ausschließlich eignungsgeprüften profimusikalischen Akademikernachwuchs.
Darin sehe überaus deutliche Unterschiede im Hinblick auf das, was die Arbeit mit Laienmusikern erfordert und mit der die Autoren des von mir empfohlenen Buches oder ein Jamey Aebersold ihre Erfahrungen haben.

Bis dato ging es im etablierten System beim Jazz um die Selektion von musikalischen (Hoch-)Begabungen, die dann in den Landes- und dem Bundesjazzorchester Förderung erfahren konnten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesjazzorchester
Diese Auswahl von Talenten hat natürlich ihren Sinn, aber daneben gab es lange Zeit außer Privatunterricht nichts für jene Hobby-Musiker, die sich trotz unterschiedlichster Einschränkungen dem Jazz widmen wollten.
Öffentliche Musikschulen bieten erst in den letzten Jahren nach und nach Pop-, Rock und Jazz als musikalische Ausbildungsschwerpunkte an. Bis jetzt gibt es bei mir dazu in der nahen Stadt (ca. 120.000 Einwohner) gar nichts und in einer einzigen von 40 Landkreisniederlassungen einen Jazzgitarrenkurs. Der dort unterrichtende Gitarrist ist studierter Klassiker und spielt in der Musikszene gerne mal Ethno mit Einflüssen aus Tango bis Klezmer.

Der Ausbildungs-Ansatz in GB berücksichtigt dagegen schon längere Zeit die Ausbildung in der Breite und damit die musikalische Förderung von Hobbymusikern, die mehrheitlich keinem ambitionierten Ansprüchen gerecht werden können oder wollen.

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Bixel » Dienstag 2. September 2014, 16:13

buddy, die (für mich wichtige, aber bislang ungeklärte) Frage ist, ob der von dir stets reich illustrierte Zugang zum Jazz praktisch funktioniert, d.h. ob er zu Ergebnissen führt, die dem geneigten Zuhörer/Mitspieler zur ersehnten Gänsehaut verhelfen.
Die allermeisten mir persönlich Bekannten, die sich ihre praktische Jazz-Basis (überwiegend) angelesen haben, klingen leider fürchterlich.

Ich kann grundsätzlich auch beim besten Willen nicht erkennen, warum ausgerechnet die optimalen Arbeitsmethoden von Jazz-Hobbymusikern "akademischer" sein sollten als die Arbeitsmethoden von "eignungsgeprüftem profimusikalischem Akademikernachwuchs".

Für mich sind Methoden eines musikalischen Zuganges so lange ohne ernsthafte Bedeutung, wie deren Verfechter selbst den Nachweis schuldig bleiben, dass sich auf ihre jeweilige Weise ganz prima musizieren(!) lässt.

Dies gilt für Leute wie z.B. Callet und Burba, aber eben auch z.B. für FlüTro, tplady und für dich.

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Blas! » Dienstag 2. September 2014, 16:37

Bixel hat geschrieben:Für mich sind Methoden eines musikalischen Zuganges so lange ohne ernsthafte Bedeutung, wie deren Verfechter (...) den Nachweis schuldig bleiben, dass sich auf ihre jeweilige Weise ganz prima musizieren(!) lässt. Dies gilt für Leute wie z.B. (...) Burba (...)
Den Nachweis, dass sich auf die Weise von (z.B.) Burba ganz prima musizieren lässt, erbringen (z.B.) die zahlreichen ganz prima musizierenden Burba-Schüler; deren Namen wurden hier schon sehr häufig genannt.

Wer waren nochmal die zahlreichen ganz prima musizierenden Bixel-Schüler?


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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Dobs » Dienstag 2. September 2014, 17:22

Wobei ich den Burba-Vergleich immer wieder etwas "fehl" finde. Burba ist - ausdrücklich - eine Methode die technischen Schwierigkeiten des Instruments zu bewältigen. Ich gehöre zu denen, die glauben, dass das auch funktionieren kann, wobei ich mit dem hier und anderswo teilweise mit unerträglicher Arroganz dokumentierten Absolutheitsanspruch nichts anfangen kann.

Was die musikalische Seite des Trompetens angeht, haben die in dieserm Bereich besonders hervortretenden Burba Schüler - die es natürlich zahlreich gibt - sich mit Sicherheit ausserhalb von Burba praktisch weiter entwickelt. Selbst Burba würde sicher nichts anderes behaupten. Es geht dabei ja gerade nicht um Musik, sondern allein um die technischen Anforderungen derselben. Dass man sich auch (nicht ausschliesslich) damit losgelöst vom musikalischen Kontext beschäftigen kann und auch ein guter Musiker werden kann, erscheint mir allerdings tatsächlich bewiesen. Das es auch anders geht, auch.
"Musik und Bier sind Themen, die traditionell sehr eng miteinander verbunden sind." - Sch.-Hausbrandt (Herri Bier)

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Bixel » Dienstag 2. September 2014, 18:02

Bixel hat geschrieben:Für mich sind Methoden eines musikalischen Zuganges so lange ohne ernsthafte Bedeutung, wie deren Verfechter selbst den Nachweis schuldig bleiben, dass sich auf ihre jeweilige Weise ganz prima musizieren(!) lässt.
Ein Lehrer, der nicht selbst überzeugend demonstrieren kann, was ich erlernen möchte, käme für mich nicht in Frage.

Die möglichen Vor- und Nachteile einer rein mechanischen Beschäftigung mit der Trompete wurden m.E. ausreichend häufig dargestellt. Ich persönlich finde das Risiko einer Entfremdung vom Musizieren - gerade im Jazz - deutlich zu hoch.

Es gibt ohne Frage Trompeter, die dies ohne Schaden überstehen, aber es gibt nach meiner Beobachtung eben auch die anderen.

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Re: Die ersten Schritte im Jazz

Beitrag von Blind Wolf » Dienstag 2. September 2014, 18:59

Hi Jazzer und solche, die es werden/sein wollen,
mit meiner Meinung sitze ich vielleicht zwischen allen Stühlen, aber macht ja nix. Ich habe im Laufe meiner jetzt bald 50jährigen Tätigkeit als Musiker und Sänger verschiedene Stilrichtungen durchlaufen und hatte nie wirklichen Unterricht, vielmehr habe ich später selber unterrichtet. Ich bin nicht eigentlich Autodidakt, ich hab mir überlegt, das Wort "Multididakt" passt am besten. Ausgangspunkt war immer die Motivation. Ich wollte ein bestimmtes Instrument spielen, damals war es Gitarre, aber das ist nebensächlich. Ich wusste, fühlte, wie es klingen sollte. Ich hab mir dann im Laufe der Zeit nach und nach verschiedene Instrumente besorgt, angeschaut, wie der Ton erzeugt wird, wie er verändert werden kann usw., bis ich anfangen konnte, im wahrsten Sinne mit dem Instrument zu "spielen". Ich hatte zwar keinen Unterricht, habe aber ununterbrochen bis heute gelernt, und zwar von anderen Musikern. Was die Behandlung des Instruments angeht, wie man dies und jenes machen kann, mal war es Technik, mal war es feeling. Ja, auch feeling, das einfach im menschlichen KOntakt und im Zusammenspiel entsteht. Ich kann es schlecht beschreiben. Ich habe dabei immer deutlich gespürt, welche Musikrichtung "meine" war, und das hat sich schon mal verändert, aber der Blues kam immer zurück. Man hat es oder man hat es nicht. Ich habe bei Lernenden immer wieder erlebt, dass es einer "hatte", dem musst du nicht viel erzählen, du kannst es beim Zusammenspiel nonverbal rüberbringen. Und da gab es andere, denen konntest du erzählen und vorspielen, was du wolltest, sie haben es brav nachgemacht, aber es war nicht das X. Schulen Bücher, Unterricht, all das ist wichtig und hilfreich, keine Frage. Du musst wissen, wie dein Instrument tickt. Aber ohne das X wird das nichts mit dem Blues oder Jazz. Du fühlst intuitiv, wie der Hase läuft, wenn du Leuten zuhörst.
Ich habe nie in einer Bigband oder in einem größeren Ensemble gespielt, es waren immer 3, 4, 5 Leute, vielleicht macht das auch was aus, was aus dir wird. Ich habe Leute gekannt, die konnten ein Solo von einem anderen exakt nachspielen, so Noten gab oder gibt es ja, aber du hast gefühlt, das X hat gefehlt.
Du kannst und sollst die Skalen lernen, was Swing ist wissen, Phrasen/Phrasierung kennen und so weiter. Das ist eine Basis. Aber auf der besten Basis kann eine HÜtte oder ein Wolkenkratzer stehen und eine Menge dazwischen. Bau dir dein Haus, wenn du dich drin wohlfühlst und andere gerne zu Besuch kommen, was will man mehr.
Ich weiß, ich bin musikalisch ein hoffnungsloser Gefülsmensch, der seine Gefühle verbal nur mies rüberbringen kann. Vielleicht bin ich deswegen Musiker.
Ich liebe Menschen, die ein Bach-Oratorium spielen können, dass einem das innere Licht angeht, aber ich Liebe auch Menschen, die mit einem ganz kleinen Tonumfang auf einem meinetwegen nicht so tollen Instrument genau dasselbe machen.
Grüße von Wolf
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