Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

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kornettist
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Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von kornettist » Mittwoch 6. Februar 2019, 22:59

Liebe Trompeten-Pädagogen hier im Forum,

ich muss mal ein Thema ganz offen ansprechen, und zwar übefaule Schüler... Wie geht ihr mit euren Schülern um, die leider nicht fleißig üben und man fast in jeder Trompetenstunde die gleichen Worte predigt und für einzelne Etüden teilweise zwei oder mehr Monate benötigt? Habe das erste Mal einen 13-jährigen Kandidaten (steckt mit einem Bein schon in der Pubertät und war auch vor der Pubertät leider nie fleißig), der außerhalb seines Pflichtprogramms im Schulorchester und den wöchentlichen 45 Minuten Unterricht meiner Ansicht nach seine Trompete nicht aus dem Koffer holt.

Grundsätzlich sage ich mir bei solchen Dingen immer, dass jeder Schüler unterschiedlich ist. Es gibt diejenigen, die man eher "bremsen" muss, weil sie am liebsten den kompletten Band 1 einer Trompetenschule in einem Monat durchgearbeitet hätten und es gibt wiederum auch Schüler, die für eine einzelne Übung aus einer Trompetenschule die gleiche Zeit benötigen. Jeder lernt halt unterschiedlich schnell, aber ohne Üben außerhalb des Einzelunterrichts wird es mit dem Erlernen eines Musikinstruments im Regelfall nichts, schon gar nicht bei einem Blechblasinstrument. Das muss ich euch hier nicht erzählen.

Habe das Thema schon einmal vorsichtig bei den Eltern angetastet, die nehmen es jedoch mit Humor und sagen sich, dass er in gewissen Dingen manchmal nicht der Fleißigste sei... Und momentan scheinbar die Trompete mit dazu gehört. Dabei frage ich mich, warum die Eltern Geld für nicht ganz günstigen Einzelunterricht ausgeben und penibelst darauf achten, dass eine vom Lehrer abgesagte Unterrichtsstunde auch zeitnah nachgeholt wird, wenn es ungefähr 1x im Jahr vorkommt.

Wie würdet ihr die Sache angehen? Habt ihr bestimmte Tipps, die gerade bei vorpubertären Jungs "ziehen" ohne irgendjemanden zu verletzen? Bin da langsam etwas überfragt und es wird auch mit der Zeit wirklich eintönig, was den Unterricht anbelangt. Wir kommen einfach nicht mehr voran.

Liebe Grüße,
kornettist
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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von Singvögelchen » Mittwoch 6. Februar 2019, 23:18

Eine Geigenprofessorin hat mal folgendes zum Besten gegeben: als sie klein war, hat sie für die erste geübte Stunde 20 Pfennig bekommen und für die zweite Stunde ne ganze Mark. Sie hat sich täglich die vollen1,20 verdient...und spielt nach wie vor mit Begeisterung.

Will sagen, du musst erstmal in das tägliche Üben reinfinden, das ist tatsächlich das Problem. Wenns dann einmal läuft mit entsprechenden Ergebnissen, hast dus fast geschafft, naja.

Ich bin auch gespannt auf die Tipps, die hier gleich von den richtig guten Pädagogen kommen...bei meinen eigenen Kindern bin ich mit Übemotivation grandios gescheitert.
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


"Blas schön rein, dann kommts schön raus!"

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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von ebnater » Donnerstag 7. Februar 2019, 06:34

Da die Menschen unterschiedlich sind, kann es kein "Patentrezept" geben, dass immer für alle funktioniert. Aber vielleicht viele Anregungen, von denen Du die ein oder andere probieren kannst und von denen hoffentlich dann eine funktioniert.

Den besten Erfolg hatte ich mit zwei Schülerinnen, die mir in der einen Probe versprochen hatten, zuhause zu üben. In der nächsten Stunde nach dem Warmblasen stellte ich dann schnell fest, das sie das Stück nicht geübt hatten. Ich habe dann einfach nur gesagt, dass es so keinen Sinn macht, ich die Probe jetzt abbreche und die Eltern anrufe, damit sie abgeholt werden können. Das hat dann solchen Eindruck auf sie gemacht, dass sie das Stück in der nächsten Probe fehlerfrei konnten und ab da auch zuhause geübt haben.

War halt in der Prä-Handy-Ära vor über 30 Jahren, als Eltern und Lehrer Respektspersonen waren und ZUSAMMEN arbeiteten...

Aktuell habe ich den Fall, dass bei meinen drei Schülern eine (15) permanent fehlt, der andere (19) überhaupt nicht übt und der übende und anwesende dritte dadurch ausgebremst wird. Bei beiden bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich die Jugendlichen sind, die das Instrument lernen wollen oder die Eltern "dahinter stecken". Da ich den großen Vorteil habe, nicht auf dieses Geld angewiesen zu sein, habe ich letzte Woche den beiden mitsamt ihren Eltern / Erziehungsberechtigten gesagt, dass das so weder Sinn noch Spaß macht und ich die beiden ab März nicht mehr unterrichten werde, wenn sie a) nicht regelmäßig da sind und b) zuhause üben. In der Stunde danach konnte ich deutliche Fortschritte feststellen, mal sehen, ob das anhält. Falls nicht, bleibe ich konsequent.

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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von blechfan » Donnerstag 7. Februar 2019, 12:30

Man(n) hat nur ein Leben und jede Stunde mit faulen Schülern geht von der Gesamtlebenszeit ab ...
Also, abwägen, was ist mir grad wichtiger, die paar Euronen oder das wertvollste, was ich besitze, Lebenszeit.
Ich würde in mein Honorar bei faulen Schülern als Ausgleich ein "Schmerzensgeld" für mich einbauen, damit es zu einer Win-Situation wird oder die Sache gleich gezielt zu einem Ende führen. Ist nun kein pädagogisches Motivationskonzept, aber eine klare Linie.
Ein Hund, den ich zum Jagen tragen muss, ist kein Jagdhund. Und ein Trompetenschüler, der keinen Bock drauf hat, das Instrument zu erlernen, soll es halt bleiben lassen.
Meine Meinung. Es darf auch andere geben :)

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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von Cavaillé » Donnerstag 7. Februar 2019, 18:56

Bin kein Pädagoge, es ist aber ein Thema, was mich auch umtreibt, daher meine Meinung:
Nicht jeder Lehrer passt zu jedem Schüler. Deine Einteilung in "übefaul" und "nicht zu bremsen" scheint mir etwas "oldschool" zu sein. Kinder und Jugendliche ticken heute anders als früher zu Zeiten der Fleißkärtchen. Ich empfinde sie einfach anspruchsvoller und sie haben häufig ein sehr gutes Gefühl dafür, ob man ihnen Unsinn erzählt. Sie wollen oft ganz genau wissen, warum sie etwas üben sollen und wohin sie das führen soll. Wenn es Dir gelingt durch gute Erklärungen und Demos kleine Fortschritte zu erzielen, glauben sie Dir und Du hast sie auf Deiner Seite.
Das setzt aber voraus, dass Du jeden genau kennenlernst und für jeden ein unterschiedliches Konzept entwickeln kannst, eigentlich so wie Max Schloßberg und dessen Schüler, die individuelle Konzepte für ihre Schüler am Ende der Stunde notiert haben. Ich glaube, das "Durcharbeiten einer Trompetenschule" Band 1 bis 3 war damals schon und ist heute um so mehr obsolet. Genau diesen Willen, den Schüler zu "erobern" und zu überzeugen braucht es, oder wie eine amerikanischer Managementguru sagt "Ehrlichkeit und echtes Engagement riecht man 10 Meilen gegen den Wind". Genau das riechen die jungen Leute.

Der Lehrer muss sich im Unterricht genauso weiterentwickeln wie der Schüler (auch ein Schüler hat oft sehr viel zu bieten !), oder wie ein bekannter Trompetenprofessor mir im Rahmen eines Workshops sagte: "wir müssen uns vielmehr als Dienstleister verstehen" d.h. wir müssen (dem Schüler) dienen und leisten d.h. immer wieder neu überzeugen und uns seinen/ihren Respekt verdienen. Beispiele für unglaublichen guten Unterricht findest Du bei YouTube zu Hauf in den masterclasses von Thomas Hampson und Joyce di Donato im Gesang. Sehr, sehr vieles ist übertragbar. Leider gibt es auch sehr viele schlechte Beispiele, in denen man merkt, dass ein Lehrer zwar selbst sehr gut spielt und immer wieder dem Schüler vorspielt (Marco Pierobon 2. Satz Hummel) aber leider das Problem des Schülers offenbar weder erkennt noch bearbeitet (komplett fehlende Atemkontrolle in einer Kantilene)
Trotzdem gebe ich Dir Recht, dass es sicherlich Leute gibt, die z.B. von ihren Eltern zum Unterricht genötigt werden und tatsächlich nicht für das Instrument interessierbar sind, damit würde ich meine Zeit auch nicht verschwenden, aber auch mit denen sollte man es zumindest ernsthaft versucht haben.

In diesem Sinne Qualität (guter Unterricht) = Technik + Geisteshaltung :)

Gruß, Thomas
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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von inspired » Donnerstag 7. Februar 2019, 20:28

So, hier mal ein notorisch Fauler. Bitte nicht steinigen :narr:
Lange Zeit war es der 2er Unterricht. Das war einfach praktischer wegen der Fahrerei für die Eltern und, klar, auch preiswerter. Aber leider die klassische "Bremser Situation" wie oben schon beschrieben. Einer muss sich anstrengen und kommt nur langsam voran, der andere eben andersrum. Mir ging es dann lange so, dass ich zuhause nichts gemacht habe weil ich unterfordert war. Hausaufgaben bekommen und die beim nächsten Mal vom Blatt gespielt. War ab und zu mal was etwas ansprechenderes dabei, ja was soll's, braucht man halt 2 Unterrichtsstunden oder vielleicht auch 3. Der andere Kollege braucht doch eh länger.
Dazu kam, dass der Lehrer nicht wirklich der Beste war. Leiter der Schule, mehr am Telefon als im Unterricht und selber zwar Trompeter, aber halt doch lieber am Klavier. Sonst, wenn es mal mit Trompete, ohne Telefon war, dann hat er sich selber gerne spielen gehört...wenn ihr versteht was ich meine.
Wir Kids haben uns zushause beschwert, damit kam dann der 2. Leherer. Privat, außerhalb der Schule. Aber zu Beginn wieder zu Zweit. Ihr wisst ja schon, die Fahrerei...Er hat dann geschnallt, dass das nicht harmoniert und hat einfach 2 beieinanderliegende Einzelstunden drauß gemacht.
Zu genüge motiviert hätte mich das aber nicht. Hier kommt nun ein 2. Aspekt dazu. Die meisten Etüden bzw. Schulen waren einfach bock-langweilig im musikalischen Sinne. Kein Groove, nichts. Daher: Faulheit ahoi! Aber das gab sich dann recht fix. Unterrichtskonzept angepasst und der überwiegenden Teil an Schulmaterial mit Technik/Etüden etc. wurd bisschen eingedämmt und es kam eine ganz ansehnliche Sammlung an separaten Musikstücken dazu. Einfach um Musik zu machen. 2 Stimmig mit dem Lehrer zusammen, auch Playalongs, oder einen Ausflug in die Welt des Blues mit dem Einstieg ins Improvisieren, Charts, eigene Kompositionen, jazziges, querbeet einfach Anspruchsvolleres mit "Sound!". Ab und an dann mit dem Kollegen ein Trio, wenn er soweit war mit einzusteigen für manche Stücke.

Da ist nun zwar kein Ratschlag mit bei aber vll. bringts einen ja auch weiter.
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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von gozilla » Sonntag 10. Februar 2019, 11:19

Moin,
schwieriges Thema :roll:
Auch ein Grund warum ich heute nur noch selten unterrichte, obwohl ich deutlich mehr weiss und mehr Chi zum Unterrichten habe als früher.
Thomas hat schon viel Richtiges geschrieben.
Motivation muss nicht nur vom Schüler/in kommen sondern auch vom Lehrer. Da meine ich jetzt nicht nur die Kollegen in Musikschulen oder Blaskapellen , sondern auch die teilweise gutbezahlten Workshops usw. Sprich wenn Dich ein Lehrer( Dozent, Dirigent uä) nicht mitreißen kann dann wird das nichts.
War bei mir schon so daß ich mir zB den 2ten Tag von Workshops geschenkt habe.
Gute Gegenbeispiele finde ich sind Christoph Moschberger und Rüdiger Baldauf

Leistungsstand und Ziele
Als großes Problem sehe ich in D das Bläserklassenkonzept. Da lernen die Kinder das leichte und schnelle Spielen im 5 Ton Bereich aber eigentlich keine Noten
Wird dann schwierig sobald es richtig Untericht gibt meist so dann ab 12 oder spätestens 14 da wird es dann um so schwieriger
Das Problem auf der anderen Seite ist sobald Dir ein Lehrer nichts mehr beibringen kann entweder weil er nicht mehr will oder nicht kann. Auch hier wäre eine Frage nach den Zielen erlaubt.
Ziele können sein der Sprung in das nächst höhere Orchester oder das absolvieren eines Leitungsabzeichen für Kinder oder Jugendliche. Oder aber auch die Teilnahme an Wettbewerben oder gar die Vorbereitung auf ein Musikstudium.
Bei Quereinsteigern auch gerne die Erarbeitung eines Wunschstück...wobei ein halbes Jahr nur Hummel oder Arban Carneval kann auch nerven.

Um auf den Ausgangspost zurück zukommen. Kinder in dem Alter mit zahlenden Eltern im Hintergrund hilft nur etwas Druck. Ich habe dann immer nach ersten Ermahnungen des Schülers gerne die Eltern zum Unterricht eingeladen.
Schön beim Unterricht oder Coaching ist immer wenn Tipps auf fruchtbaren Boden fallen. Gib einem aufstrebenden Kollegen im Orchester hie und da einen wirkungsvollen Tipp sein Spielsystem zu verbessern oder auch sein Timing oder die Phrasierung und alle im Satz freuen sich an der Leistungssteigerung.
Wichtig sind da jedoch wie überall gegenseitiger Respekt , Gleichberechtigung und der Spaß an der Musik.
Gruß G

ConorM
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Re: Frage an die Pädagogen: Motivation für übefaule Schüler

Beitrag von ConorM » Dienstag 12. Februar 2019, 08:57

Diese Idee finde ich wirklich gut. Und ich wurde auch in allen Schulen einfügen, das alle Schüler ein Instrument spielen müssen, mindestens in ersten 4 Klassen, damit er von klein an Liebe für Musik entwickeln kann.
Liebe Grüße.
Takt ist eine schreckliche Sache. Wenn man ihn nicht hat, regt sich jeder auf. Wenn man ihn hat, merkt es kein Mensch.

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