Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Ansatzfragen, Welche Methode ist die beste,
Probleme, Gundlegende Techniken etc.

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Jens92
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Montag 20. Mai 2019, 18:03

Charlies Antwort auf den oben zitierten Kommentar:

"Well, I wouldn’t say it’s an all together different technique. We have absolute scientifically proven evidence to support that the lips do in fact vibrate when we play...we cannot dispute this. However, what must be understood is that there is correlation between the pitch you buzz and how much higher it will be on the trumpet because of the smaller vibrational area of the mpc and the resistance of the horn. This means that playing a middle “g” should feel like buzzing a low “Bb” and not like buzzing a middle “g”. I explain this in the video, but many people simply persist on believing that they are just blowing air or that they have to buzz the same pitch. It is not a different technique...otherwise this exercise would be a complete waste of time. We buzz when we play, we just don’t buzz as high as we play...and the higher we play the larger the different becomes in the correlation. As someone who has studied with many famous teachers, some of whom don’t advocate buzzing, i we’ll understand where they are coming from. However, the results when done correctly, speak for themselves. Something needs to vibrate in order to make sound...thinking that simply blowing air is enough to accomplish this is akin to believing that some magical force is creating the vibration...nope, it’s your lips. Just include the correlation of resistance into your equation and do not buzz for too long and make sure you are going for good sound. The point is to play with form supporting this vibration and not just excessive mouthpiece pressure."

Beste Grüße
Jens

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Montag 20. Mai 2019, 21:40


Zapfenstreich
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Zapfenstreich » Donnerstag 18. Juli 2019, 11:41

Also erstmal muss ich sagen, dass ich den Thread wirklich super finde! Alles was den Unterricht mit Charlie Porter betrifft wird sehr detailliert beschrieben und es ist interessant zu lesen.
Vielen Dank dafür! :gut:
Auch ich beschäftige mich seit ein paar Wochen mit den Konzepten von Charlie und merke schon jetzt eine Verbesserung meines Ansatzes/Klangs.

Eine Sache beschäftigt mich jedoch seit ein paar Tagen, ich hoffe dass es hier an der richtigen Stelle ist:
Bevor ich mich mit Charlie Porter beschäftigt habe, habe ich ca. ein halbes Jahr Burba gemacht. Damit habe ich aber aufgehört weil mir persönlich der Klang zu kalt/grell/plärrend war.
Dies hatte m.E. damit zu tun, dass sich meine Zungenposition dahingehend verändert hat, dass die Zungenspitze an den forderen Schneidezähnen anliegt und jeder Ton am oberen Rand des Tonzentrums angespielt werden sollte.

Seitdem ich von Burba hin zu Charlie Porter gegangen bin, habe ich vor allem mit Lip Buzzing und Mundstück Buzzing versucht meine Ansatzmaske zu verbessern.
Schon nach ca. 2 Wochen merkte ich, dass mein Ton deutlich runder, voller, zentrierter und klarer wurde, OHNE allerdings so kalt zu werden wie bei den Burba Übungen.
Bildlich würde ich es so beschreiben, dass mein Ton zu Burba-Zeiten dem eines eher kalten LED-Lichts glich und heute mehr dem Licht einer warmen Glühlampe (sorry kann es nicht anders erklären :D )

Nun zu meiner Frage: Weiß jemand vielleicht mehr darüber, wie genau jeweils Zunge und Lippenöffnung die Klangfarbe/das Zentriertsein des Tons verändern? Und könnte es eventuell sein, dass zu Burba-Zeiten meine Zunge und die Lippen einfach nicht im Gleichgewicht waren, sodass die Zunge dominiert hat?

Vielen Dank schonmal für eure Antworten!

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Donnerstag 18. Juli 2019, 13:54

Hi!

Freut mich wirklich sehr, dass du mit diesen Konzepten Fortschritte machst und hier schon das ein oder andere für dich mitnehmen konntest! Danke für das Feedback! :)

Natürlich reden wir jetzt schon über Dinge, die teilweise über die grundlegenden Sachen hinausgehen. Deswegen ist es schwierig, das auf diesem Wege überhaupt zu beurteilen. Aber da können wir gerne mal zeitnah die Skype-Stunde angehen, wenn du magst :).

Grundsätzlich ist es doch gut, dass du mit Charlies Konzepten deinem Klangideal näher kommst! Zum Thema Leadpipe-Buzzing, das du in der letzten PN angesprochen hattest, empfehle ich nochmal folgendes Video:

https://www.youtube.com/watch?v=CoGohs41TT8&t=549s

Wie gesagt, alles ist hier reine Spekulation, warum dein Ton mit "Burba-Methoden" für dein Ohr kälter klingt. Aber meine Erfahrung mit Burba-Schülern ist die, dass sich oft (nicht immer! - Ich kenne durchaus auch Gegenbeispiele) eben auf jene technischen Komponenten versteift wird und vergessen wird, die Ohren für den eigenen Klang zu öffnen. Das könnte die Unterschiede erklären. Es ist schwer zu sagen, was du da wirklich anders machst, wenn du "nach Burba" spielst.
Grundsätzlich mag ich dieses Schubladen-Denken und Methoden-Denken auch gar nicht.

Vielmehr ist es doch wichtig, einfach gut zu klingen. Das sollte überhaupt unsere Priorität Nr. 1 sein. Wenn man das mit Burba, oder was auch immer, erreicht, dann ist ja auch alles gut.

Deine Zungenspitze sollte beim Binden ohnehin hinter den Schneidezähnen anliegen und der Zungenrücken sollte sich entsprechend formen. Die Position der Zungenspitze beim Stoßen ist eher sekundär. Hier sollte man vllt. sogar je nach Stil flexibel sein. M.M.n. bietet der Stoß mit der Zungenspitze jedoch eine höhere klangliche Flexibilität.
Das Volumen des Mundraums und der Grad der Zungenwölbung beeinflussen die Klangfarbe schon zu einem gewissen Grad. Aber dies auch eher subjektiv. Ob das wirklich objektiv feststellbar oder gar vergleichbar ist, ist wohl fragwürdig.

Grundsätzlich sollten wir aber immer nach dem bestmöglichen, resonantesten Sound streben. Diesen erreichen wir durch eine Balance aus allen Faktoren, die den Ansatz bilden. Wenn das erreicht ist, beeinflusst die Klangfarbe meiner Meinung nach am meisten das gespielte Equipment, sprich hauptsächlich erstmal das Mundstück (vorrangig Kesseltiefe). Der hierbei wichtigste Faktor ist aber sicherlich die eigene Klangvorstellung im Kopf. Das gewählte Equipment sollte deine Klangvorstellung natürlich unterstützen. Bspw. macht es keinen Sinn auf einem großen, tiefen Mundstück einen Big-Band-Laserstrahl erreichen zu wollen. Gehen tut das schon bis zu einem gewissen Grad, aber es ist einfach höchst ineffizient.

Dass du jetzt insgesamt mit Charlies Konzepten Fortschritte gemacht hast, ist jedenfalls super! Wenn nämlich dann alles in Balance richtig funktioniert und wir natürlich den zu spielenden Ton auch richtig hören (was sicherlich das aller wichtigste ist, andernfalls muss man wieder mit irgendwas kompensieren), kann man Equipment so wählen, dass es einem auch nützt. Deswegen wäre meine Frage zunächst, was du für ein Mundstück spielst? Auch gibt es natürlich Leute (wie Arturo Sandoval), die das Meiste (auch Arturo hat noch ein ganz tiefes Trp-Mundstück mit Flgh-Kessel) mit einem Mundstück spielen.
Hier ist wohl einfach die musikalische Herangehensweise und die eigene Klangvorstellung maßgeblich. Hervorragendes Gehör, gute musikalische Bildung und viel Hören und Imitieren sind hier sicherlich wichtige Faktoren.
Im Idealfall sind an die eigene Klangvorstellunng auch immer Bilder und/oder Emotionen beim Musizieren geknüpft. Ich glaube, nur so können wir mit Musik etwas beim Zuhörer bewegen und wahrscheinlich ist dies auch der beste Weg, um seine Klangvorstellung zu beeinflussen und zu prägen.

Nichtsdestotrotz ist eine gute technische Grundlage dafür Voraussetzung, seinen Klang überhaupt formen zu können. Du wirst im Nachhinein feststellen, dass dir das Meistern der Grundlagen wieder die nötige Flexibilität und Freiheit gibt, sich voll und ganz der Musik zu widmen (was wir sowieso tun sollten) und durch entsprechende Klangvorstellungen und Wahl des passenden Equipments deine Klangfarbe zu beeinflussen.

Also ich würde mir folgende Fragen stellen:

- Funktionieren meine Grundlagen?
- Wie möchte ich überhaupt klingen?
- Welches Equipment passt dazu?

Die technische Komponente ist anfangs natürlich wichtig, aber sie sollte irgendwann nicht mehr eine allzu große Rolle spielen.

Ich glaube, dass sich die Frage nach der Klangvorstellung - sofern Grundlagen und Equipment passen - ausschließlich musikalisch lösen lässt.

Ich hoffe, das hilft! Gerne können wir die Unterhaltung auch per PN weiterführen! Aber vielleicht äußert sich ja noch jemand zum Thema.

Beste Grüße & viel Erfolg!

Jens

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von TomPrete » Freitag 19. Juli 2019, 10:06

Hi,

ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich mich hier auch ohne direkten Bezug zu Charlie beteilige, das Thema mit dem Klang finde ich jedenfalls interessant, da ich bei mir auch nicht immer sagen kann, was welchen Einfluss hat.
Zapfenstreich hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juli 2019, 11:41
Bevor ich mich mit Charlie Porter beschäftigt habe, habe ich ca. ein halbes Jahr Burba gemacht. Damit habe ich aber aufgehört weil mir persönlich der Klang zu kalt/grell/plärrend war.
Ich habe Burbas Buch nur gelesen und nicht die Übungen gemacht, aber wenn ich mich recht entsinne, empfiehlt er doch zumindest am Anfang nicht auf den Klang zu hören, bzw. nur auf grobe Fehlfunktionen. Ich kann diese Einstellung je nach Situation inzwischen nachvollziehen, aber das kann ja eventuell auch ein Grund sein, wenn du jetzt einfach mehr auf deinen Klang achtest, wie Jens schon geschrieben hat.
Zapfenstreich hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juli 2019, 11:41
Dies hatte m.E. damit zu tun, dass sich meine Zungenposition dahingehend verändert hat, dass die Zungenspitze an den forderen Schneidezähnen anliegt und jeder Ton am oberen Rand des Tonzentrums angespielt werden sollte.
Ich finde schon, dass die Zungenposition den Klang verändern kann, wobei es bei mir glaube ich mehr am Mundraumvolumen hängt. Meine Freundin kann den Unterschied auch hören, wobei man natürlich nie weiß, was man sonst noch verstellt. Ob die Zungenspitze dabei fixiert ist, macht für mich aber nur bei eher tiefen Tönen einen Unterschied. Aber bezüglich der Zunge kannst du doch ganz einfach ausprobieren, welchen Effekt welche Lage hat. Ich finde hier kann man sehr bewusst und direkt die Lage verändern und den Klang beobachten.
Zapfenstreich hat geschrieben:
Donnerstag 18. Juli 2019, 11:41
Seitdem ich von Burba hin zu Charlie Porter gegangen bin, habe ich vor allem mit Lip Buzzing und Mundstück Buzzing versucht meine Ansatzmaske zu verbessern.
Ohne Burba praktiziert zu haben (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), kann ich mir vorstellen, dass auch die ganzen mimischen Übungen den kalten Ton verursachen können. Wenn ich viele Übungen mit viel Spannung mache (z.B. Lip Clamp Squeek aus BE), wird mein Ton auch eher dünner. Ich erkläre mir das dann damit, dass die Lippen zu sehr auf Kraft fixiert sind und nicht mehr so frei schwingen. Wenn du jetzt beim Lip- und Mundstück-Buzzing immer auf einen vollen und effizienten Ton achtest, hast du damit vielleicht ein besseres Gleichgewicht erreicht.

Was mich noch interessieren würde: Hast du andere Veränderungen abseits der Tonqualität bezüglich Treffsicherheit, Flexibilität, Höhe, Ausdauer oder Intonation festgestellt?

Viele Grüße
Thomas

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Alien » Dienstag 23. Juli 2019, 10:04

Man kann bei Charlie auf jeden Fall was mit nehmen.
wie hier z.B. https://www.youtube.com/watch?v=pl3oo50CL8o
diese Musik ist nicht unbedingt meine Fall, aber man kann hier viel über Ausdrucksmöglichkeiten beim Trompeten Solo in Mainstream Jazz der 60-70 Jahre erfahren.
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Zapfenstreich » Mittwoch 31. Juli 2019, 00:32

Hi Thomas!
Ich habe Burbas Buch nur gelesen und nicht die Übungen gemacht, aber wenn ich mich recht entsinne, empfiehlt er doch zumindest am Anfang nicht auf den Klang zu hören, bzw. nur auf grobe Fehlfunktionen. Ich kann diese Einstellung je nach Situation inzwischen nachvollziehen, aber das kann ja eventuell auch ein Grund sein, wenn du jetzt einfach mehr auf deinen Klang achtest, wie Jens schon geschrieben hat.
Das man am Anfang nicht auf den Klang hören sollte da könntest du Recht haben, jedoch hat sich der Klang innerhalb des halben Jahres, in dem ich die Burba-Übungen gemacht habe nicht mehr signifikant verändert. Vielleicht war ich aber auch zu ungeduldig und man muss einfach länger dran bleiben um dahingehend bessere Resultate zu erzielen.
Ich finde schon, dass die Zungenposition den Klang verändern kann, wobei es bei mir glaube ich mehr am Mundraumvolumen hängt.


Ich bin mir nicht sicher, ob der neue Klang durch die veränderte Zungenposition kommt oder durch das vergrößerte Mundraumvolumen als Folge der veränderten Zungenposition :Hä:
Ohne Burba praktiziert zu haben (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), kann ich mir vorstellen, dass auch die ganzen mimischen Übungen den kalten Ton verursachen können. Wenn ich viele Übungen mit viel Spannung mache (z.B. Lip Clamp Squeek aus BE), wird mein Ton auch eher dünner. Ich erkläre mir das dann damit, dass die Lippen zu sehr auf Kraft fixiert sind und nicht mehr so frei schwingen. Wenn du jetzt beim Lip- und Mundstück-Buzzing immer auf einen vollen und effizienten Ton achtest, hast du damit vielleicht ein besseres Gleichgewicht erreicht.
Bis vor einiger Zeit war ich ein Befürworter von BE. Was Höhe und Ausdauer angeht brachte diese Methode schnell Erfolge, jedoch war das gesamte System bei mir zumindest immer wackelig. Z.B kamen oft die Einsätze nicht richtig, speziell der erste Ton war bei mir immer problematisch. Zudem glaube ich mittlerweile, dass das Einrollen bzw. Ausrollen der Lippe limitiert ist. Stattdessen müssen die Muskeln die die Lippen zusammenziehen und auseinanderziehen in einem Gleichgewicht sein, sodass sie am effizientesten arbeiten und kein Muskel den anderen "dominiert".
Aber das ist nur meine persönliche Erfahrung und ich erhebe natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit :lol:
Was mich noch interessieren würde: Hast du andere Veränderungen abseits der Tonqualität bezüglich Treffsicherheit, Flexibilität, Höhe, Ausdauer oder Intonation festgestellt?
Bevor ich mit diesen Konzepten angefangen habe, hatte ich immer das Problem, dass mein Unterkiefer wenn es in die Höhe geht sehr schnell zurück geht und somit auch die Unterlippe hinter die Oberlippe rutscht. Als Folge habe ich sehr viel Druck auf die Oberlippe ausgeübt und die Intonation wurde schlechter in den höhreren Lagen.
Durch das Lip- bzw. Mouthpiece-Buzzing bleibt der Kiefer mittlerweile länger vorne und die Druckverteilung von Unter- und Oberlippe ist etwas besser. Demnach hat sich auch die Höhe, Ausdauer und Intonation etwas verbessert und ich versuche, die Mundwinkel mehr anzuspannen und weniger mit dem Mundstück zu drücken. Zur Flexibilität und Treffsicherheit kann ich zur Zeit noch nichts sagen.
Beste Grüße!

Alien
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Alien » Sonntag 4. August 2019, 14:17

Zapfenstreich hat geschrieben:
Mittwoch 31. Juli 2019, 00:32
Hi Thomas!
Ich habe Burbas Buch nur gelesen und nicht die Übungen gemacht, aber wenn ich mich recht entsinne, empfiehlt er doch zumindest am Anfang nicht auf den Klang zu hören, bzw. nur auf grobe Fehlfunktionen. Ich kann diese Einstellung je nach Situation inzwischen nachvollziehen, aber das kann ja eventuell auch ein Grund sein, wenn du jetzt einfach mehr auf deinen Klang achtest, wie Jens schon geschrieben hat.
Das man am Anfang nicht auf den Klang hören sollte da könntest du Recht haben, jedoch hat sich der Klang innerhalb des halben Jahres, in dem ich die Burba-Übungen gemacht habe nicht mehr signifikant verändert. Vielleicht war ich aber auch zu ungeduldig und man muss einfach länger dran bleiben um dahingehend bessere Resultate zu erzielen.
Ich finde schon, dass die Zungenposition den Klang verändern kann, wobei es bei mir glaube ich mehr am Mundraumvolumen hängt.


Ich bin mir nicht sicher, ob der neue Klang durch die veränderte Zungenposition kommt oder durch das vergrößerte Mundraumvolumen als Folge der veränderten Zungenposition :Hä:
Ohne Burba praktiziert zu haben (korrigiert mich, wenn ich falsch liege), kann ich mir vorstellen, dass auch die ganzen mimischen Übungen den kalten Ton verursachen können. Wenn ich viele Übungen mit viel Spannung mache (z.B. Lip Clamp Squeek aus BE), wird mein Ton auch eher dünner. Ich erkläre mir das dann damit, dass die Lippen zu sehr auf Kraft fixiert sind und nicht mehr so frei schwingen. Wenn du jetzt beim Lip- und Mundstück-Buzzing immer auf einen vollen und effizienten Ton achtest, hast du damit vielleicht ein besseres Gleichgewicht erreicht.
Leute, ich war auch mal beim Burba, als ich noch (Musikalisch gesehen) ein Baby war...
Er hat auf jeden Fall Ahnung von Physiotherapie und kann helfen einen oder anderen Analytiker,
(weißt was ich meine - Menschen Typen ) den Ansatz zu finden .
Als Feedback : für viele Musiker ist das zu Technisch orientiert und zu Trocken vorgegeben.
Wir sind alle unterschiedlich und Es gibt KEINE absolut 100% funktionierte Methode!
Ein Mix aus Verschieden Methoden ist der Schlüssel zum Erfolg.
Deswegen- Wer such der Findet!
"Unterkiefer geht bei Höhe zurück" ... ist klar das es für die Höhe und Ausdauer tödlich ist !
Unterkiefer für Trompeten Spieler ist eine Stützende Kraft!
Da durch wird der drück auf Oberlippe abgebaut. Das sind Basics...Dies musste der Lehrer schon am Anfang erwähnen!!!
Autodidakt? - klappt auch(vielleicht), aber dauert 3 mal Länger und ist dann ohne Garantie das es nicht Falsch eingewöhnt wird.
Nimmt doch einen Guten Lehrer und investiert in sich!!!
Als Student an der Hochschule , habe ich privat beim Harderer z.B. 100euro für 1 stunde gegeben.
Natürlich hat das sich gelohnt! 100 Euro sind jetzt ein paar Momente Arbeit auf die Bühne. Dises Geld damals zu investieren war eine Richtige Entscheidung!
Spart nicht an der Falsche Ende... Das ist ja Qualvoll, auf Trompete falsch zu spielen! wie Mental so auch Körperlich!
Für mich z.B es gibt ja aus - Maggio, Arban, van Leer, Vizzutti, Quincue und anderen Lehrer einen Methoden Mix,
den ich für mich selber entwickelt habe und verwende u.a. um 3-4 Stunden (Lead Trumpet) im Konzert präzise + relative entspannt spielen zu können.
Ich habe dieses Mix für mich raus gefunden und jetzt kann ich diese Freiheit genießen.
Sucht keine Ultimative Methode!!! Es gibt ja Keine!!! Für jedem Spieler gibt nur seine Eigene Methode!" Passt die Methoden für Euch selber an!
Findet es heraus was für Jeden Gut ist!!! und Spart nicht an sich selber...

https://www.youtube.com/watch?v=lkHbR7E ... TH014rbCFg
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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Jens92 » Mittwoch 25. September 2019, 09:55

Hallo zusammen!

Seit Längerem mal wieder ein Update meinerseits.
Eigentlich würde es auch ganz gut in das Thema "Kieferfehlstellung" passen, aber hier passt es auch gut:

Seit ich letztes Jahr in Portland bei Charlie war und seitdem auch nach wie vor in recht engem Kontakt mit ihm stehe, hat sich natürlich einiges getan und mein Spiel wurde in jeglicher Hinsicht besser. Vor ein paar Monaten jedoch pendelte es sich ein bisschen ein und ansatztechnische Fortschritte blieben eher aus. Ich dachte, ich muss einfach so weitermachen und wenn ich stärker werde, wird das schon. Dem war leider rückblickend nicht so.
Eigentlich ist es auch logisch: Wenn man das Richtige macht, wird man zwangsläufig besser. Wenn es nicht mehr weitergeht, ist es wahrscheinlich, dass man etwas ändern muss. Aber Logik und Gefühl bzw. Wahrnehmung sind in der Praxis oft verschieden. Auch wenn man tief in der Materie drin ist.

Wo ich schon immer "Probleme" mit hatte, ist die hohe Belastung der Oberlippe. Das ist grundsätzlich nicht so gut. Man buzze frei einen Ton und berühre einmal die Unterlippe nahe des Schwingungspunktes und einmal die Oberlippe. Bei der Unterlippe bleibt die Schwingung einigermaßen erhalten, bei Berührung der Oberlippe reißt sie meistens ab.

Meine Hypothese war immer: Wenn meine "Oberlippenheber" (Levators) stärker werden, stellt sich irgendwann die nötige Balance ein.

Bevor ich nach Portland ging, waren die Levators auch definitiv das ursächliche Problem, weil sie immer nach unten gedrückt haben, also das Gegenteil von dem gemacht haben, was sie eigentlich machen sollen.

Vor etwa 2-3 Wochen wurde ich mir bewusst, dass sich doch so langsam mal wieder etwas tun sollte und ich wurde stutzig und fragte mich, warum die Fortschritte ausblieben. Ein Problem vor Portland war auch, dass mein Unterkiefer mit zunehmender Höhe etwas zurückgegangen ist, sodass die Unterlippe letztlich unter die Oberlippe gerutscht ist. Hier passt auch sicherlich teils meine Hypothese: Die Levators waren zu schwach bzw. funktionierten nicht richtig.

Eigentlich wusste ich es schon seit Monaten, aber ich habe nicht bewusst drüber nachgedacht: Mein Kiefer ging immer noch etwas zurück im Grenzbereich. Natürlich ging ich von der genannten Hypothese aus.

Dann entschloss ich mich aber mal bewusst darauf zu achten, dass die Zahnreihen schön parallel bleiben.

Siehe da:

- leicht höherer Ansatzwinkel
- gleichmäßigere Druckverteilung (Ich habe nämlich quasi noch nie meine Unterlippe nach mehrstündigem Üben gespürt -> Warnsignal!!!)
- bessere Artikulation im Grenzbereich
- gleichmäßigere Belastung der Muskulatur
- besser Sound, aber vor allem auch hörbar in der unteren und mittleren Lage
- gleichbleibenderes Gefühl über die gesamte Range

In den ersten 3-7 Tagen war die muskuläre Belastung des unteren Ansatzbereiches natürlich ungewohnt und deutlich zu spüren. Jetzt, nach 2-3 Wochen, fühlt sich aber alles wieder normal an und ich merke endlich, dass es muskulär wieder voran geht.

Meine These: Ich hätte ewig so weitermachen können wie vorher, aber es hätte sich kaum mehr etwas getan, weil die Levators das muskuläre Ungleichgewicht nicht kompensieren können. Jetzt hingegen, SIEHT man auch eine deutlichere Aktivierung der Kinnmuskulatur und die Levators sind sichtbar entlastet. Sprich, ich habe auch insgesamt weniger Bewegung in der Muskulatur bei bspw. Lippentrillern.

Es stellt sich also spürbar eine bessere Balance ein. Zwar habe ich jetzt erstmal etwas Range verloren, aber das kommt sicher wieder. Mein Lippenbuzzing-c3 ist jetzt deutlich anstrengender und auch mein g3 auf der Trompete ist muskulär etwas anstrengender. Dafür bleibt aber jetzt mein Kiefer schön parallel. Die Kraft wird kommen.
Die kleinen Einbußen in der Höhe machen für mich auch Sinn, da ich vorher durch das Überlappen der Lippen kompensiert habe. Natürlich ist diese Tendenz jetzt nicht ganz verschwunden, aber es ist schlagartig besser und ich spüre wieder neue muskuläre Reize, die mich stärker werden lassen.
Auch das Lippenbuzzing sieht bis g2 jetzt deutlich besser aus. Die Ansprache von whisper tones und Kontrolle des pianissimos ist nochmal besser geworden.

Ich mache also gerade so ziemlich die gleichen Erfahrungen, wie Karl sie im Thread nebenan beschreibt.

An dieser Stelle mache ich jetzt auch einen Punkt.

Ein letzter Aufruf: Natürlich darf man NIE die Musik dabei vergessen. Das mache ich auch nicht, auch wenn das manchmal vielleicht so wirkt. Aber man sollte auch immer danach streben, dass sich alles noch viel einfacher und effizienter anfühlt. Denn letztlich ist es wirklich einfach und man macht ganz oft viel viel mehr als man denkt. In der Sekunde, in der man nachlässig wird und bewusst - oder unbewusst - denkt, man habe alle Probleme gelöst, ist die Gefahr groß, dass sich irgendwo auf Dauer wieder schlechte Gewohnheiten einschleichen.

Deswegen mein Appell: Setzt euch bewusst und konstruktiv mit euren Problemen auseinander! Oft sind es nur kleine Anpassungen, die einen wieder eine ganze Ecke weiterbringen. Bei Fragen, kontaktiert mich auch gerne per PN. Ich bin nach wie vor bereit, jedem hier zu helfen, der es auch möchte. Ganz wie Charlie die Tage sagte "Let's do one embouchure at a time".

In diesem Sinne,

beste Grüße, allzeit gut Ton & happy practicing!

Jens

edit: Die Ausdauer ist jetzt schon besser als vorher und der Abdruck auf der Oberlippe ist nicht mehr so stark. Dafür sehe ich jetzt mehr auf der Unterlippe. Der Oberlippenabdruck wird wohl immer bleiben, weil die Kanten der oberen Schneidezähne recht ausgeprägt sind. Insgesamt ist die Regeneration auch besser und schneller.

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Re: Charlie Porter & Ich - Ansatzanpassungen/Überbiss

Beitrag von Bixel » Mittwoch 25. September 2019, 17:24

Jens92 hat geschrieben:
Mittwoch 25. September 2019, 09:55
...waren die Levators auch definitiv das ursächliche Problem, weil sie immer nach unten gedrückt haben, also das Gegenteil von dem gemacht haben, was sie eigentlich machen sollen.
Damit es anatomisch wasserdicht wird, grob vereinfacht:

Die Muskelgruppe levator labii superioris zieht aktiv die Oberlippe nach oben.
Analog hierzu zieht die Muskelgruppe depressor labii inferioris aktiv die Unterlippe nach unten.
"Nach unten drücken" kann der levator labii superioris aktiv so wenig, wie das Zwerchfell aktiv die Ausatmung bewirken bzw. positiv unterstützen kann. Ein Muskel wirkt aktiv durch die Verkürzung seiner Fasern, und dies geht zu allermeist nur in einer Richtung. Spektakulärste Ausnahme: die Zunge.

Hauptamtlicher Antagonist (Gegenspieler) von levator l. s. und depressor l. i. ist der musculus orbicularis oris, der (wie der Name sagt) ringförmig die muskuläre Umrandung der Mundöffnung bildet (und die mechanische Druckbelastung des Mundstücks aufzunehmen hat). Dieser Muskel verengt im Sinne einer Rosette konzentrisch die Mundöffnung, wodurch er das Lippengewebe "verhärtet" und "verdickt".

Die Konditionierung mittels sinnvollen Übens einer optimalen Balance der genannten Antagonisten in Abhängigkeit von Tonhöhe und Lautstärke ist das, was uns Trompeter*innen (u.a.) täglich beschäftigt.
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