Atmung

Wie kann ich die Atmung verbessern ? Wie wichtig ist die Atmung für das Trompetespielen ?
Hier gibt es die Antworten auf solche Fragen.

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dizzychrizzy
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Re: Atmung

Beitrag von dizzychrizzy »

poorboy hat geschrieben:Es ist sozusagen "immer?" wichtig das der Bauch sich mehr oder weniger bei der Einatmung beteiligt ?
Genau!
poorboy hat geschrieben:..man atmet locker in den Bauch
Genau!
poorboy hat geschrieben:..also man füllt sich mit Luft vom Bauch aus voll.
Eher ungünstig.

Atmung ist ein komplexer Vorgang, dem viele Muskeln im Rumpf des Körpers zur Verfügung stehen. Der richtige Einsatz der verfügbaren Komponenten ermöglich es uns Trompetern leicht und ohne allzu viel Anstrengung einen vollen Ton und große Höhe zu erreichen.

Hintergrund

Wenn man es ganz grob einteilt, dann gibt es die Brust und die Bachatmung. In die Brust atmet man durch Anspannung entsprechender Muskeln, die den Brustkorb weiten und dadurch einen Unterdruck erzeugen. Luft fließt von außen durch die Luftröhre in die Lunge.

Durch das Anspannen der Muskeln des Zwerchfells senkt sich das Zwerchfell, es entsteht ebenso ein Unterdruck und Luft strömt hinein. Lässt man die Muskeln des Zwerchfells locker, kehrt es in seine ursprüngliche Position zurück, es entsteht ein Überdruck in der Lunge und Luft strömt heraus. Kann man auch einfach „ausatmen“ nennen ;-) Schiebt man mit (anderen Muskeln des Zwerchfells) die Luft nach, wird die Luft beschleunigt. Man könnte es „pusten“ oder „blasen“ nennen ;-) Das ist die Bauchatmung oder auch Zwerchfellatmung.

Bei Männern stellt man häufig fest, dass diese vorwiegend Brustatmung verwenden und wenig Bauchatmung. Bei Frauen ist es oft umgekehrt.

Bei einem Blasinstrument (und beim Singen) benötigt man einen großen Anteil Bauchatmung. Das können wir Männer oft nicht so gut und müssen es lernen. Es bestätigt sich, was wir schon immer wussten: Männer haben es einfach schwerer im Leben. Deswegen jammern wir auch so viel.

Ich unterteile die Vorgehensweise mal in Einsteiger und Fortgeschrittene des Atmens.

Einsteiger

Das Einatmen erfolgt in erster Linie in den Bauch. Die einfache Merkregel lautet: Lass Dein Zwerchfell nach unten fallen. Dadurch ergibt sich ein spannungsfreies, lockeres Einatmen. Der Bauch wölbt sich dabei nach vorne. Es ist nicht so gut, den Bauch komplett auszufüllen, denn dadurch entstehen Spannungen und der Ton wird brüchig. Es ist auch nicht gut, den Bauch bewusst aufzubähen, so als wollte man jemandem zeigen, wie dick man wäre, wenn man noch mehr Bier trinken würde. Das Vergrößern des Bauchs ist die Folge des Einatmens und geschieht als Reaktion, nicht als Ursache.

Schiebt man jetzt Luft mit Hilfe des Zwerchfells nach, ist erst einmal die grundsätzliche, simple (Aus-) Atmung für das Trompetespielen hergestellt. Damit kommt man schon recht weit.

Wenn Du das noch nicht beherrscht, dann fang erst mal damit an. Ein Schritt nach dem anderen. Atmen ist komplizierter, als man denkt, vor allem wenn man es für das Spielen der Trompete richtig machen will.

Aber man kommt mit diesem vereinfachen Verfahren nicht in die höchsten Höhen und eine besonders gute Ausdauer wird’s wohl auch nicht werden…

Fortgeschrittene

Beim Einatmen wir der Bauchnabel weitgehend in Position gehalten. Die Bauchdecke wölbst sich also nur minimalst nach außen. Man erreicht das, indem man den Bauchnabel wie an einer gedachten Schnur zur Wirbelsäule betrachtet. Dann füllt man den Bauchbereich zur Seite. So als würde man die Arme in die Hüften stemmen und diese nun nach außen wegbewegen wollen. Fasst man sie mit den Händen an den Rücken, oberhalb des Gürtels, dann ist da ein weiterer Bereich, in den geatmet wird. Nach wie vor wird das Zwerchfell fallen gelassen. Schließlich hält man den Oberkörper entspannt gerade und atmet von unten nach oben in die Brust, ohne die Schultern zu heben. Wenn sich die Schulten heben, dann nur als Reaktion, nicht durch aktives Hochziehen. „Schub“ gegeben wird dann von unten. Für hohe Töne hilft mir besonders der beschriebene Bereich am Rücken. Das alles geschieht nicht hintereinander und auch nicht mit Spannung oder anhalten der Luft in den Bereichen. Sondern flüssig ineinandergezahnt.

Das ist alles nur „gefühlt“, die Lunge sitzt woanders. Aber durch entsprechende Verschiebung der Organe fühlt es sich so an, als wäre es so.

Das ist alles wirklich nur sehr kurz und grob, mehr passt meiner Meinung nach nicht in einen Forenbeitrag.

Man kann sich mit dem Thema Atmung sehr lange und intensiv beschäftigen. Und es bringt einen auch weiter. Ich bin ein regelrechter Atmungsjunkie. Ich atme einfach für mein Leben gern (wattn Brüller-Gag)

Kürzlich wurde hier ein Gesangsbuch empfohlen, „CVT“, http://trompetenforum.de/TF/viewtopic.php?f=20&t=26608. Das habe ich mir gekauft und es ist wirklich gut. Der Unterschied ist nur, dass Sänger die Luft zurückhalten müssen (jedoch mit „Stütze“) und wir Trompeter schieben eher nach. Dennoch ein gutes Buch mit vielen guten Abbildungen. Leider teuer.

Die Beschäftigung mit Bobby Shews Yoga- oder Wedge-Atmung ist sehr nützlich. Das ist im Prinzip das, was ich unter „fortgeschritten“ beschrieben habe. Man findet viele Informationen im Web darüber, muss allerdings sehr genau lesen, um nichts falsch zu machen.

Wer ausdauernd und hoch spielen will, kommt meiner Meinung nach nicht drumherum, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. In den USA sagt man „ride the airstream“, was es gut auf den Punkt bringt. Nicht mit Kraft spielen, sondern auf dem Luftstrom reiten. Gut ist auch Claude Gordon, der sehr auf Atmung setzt. Kann man auch gut googeln, da gibt es einiges (auf Englisch). Gordon sagte zu seinen Schülern „Vergesst den Ansatz! Die Lippen werden dem Luftstrom folgen“. Ich denke, was er uns damit sagen will ist, dass es wenig Zweck hat sich mit Lippenpositionen, Gesichtsmuskeln etc. (hier im Forum manchmal „Ansatzmaske“ genannt, ein nicht so gutes Wort…) zu beschäftigen, so lange die Atmung nicht richtig ist.

Am besten ist sicherlich die Investition in einen guten Lehrer. Besser als alle Bücher und besser als stundenlang vor dem Computer zu hocken und zu googeln. Es sollte ein Lehrer sein, der den aktuellen Stand der Erkenntnisse in Bezug auf Atmung hat. Der weiß dann auch eine Menge guter Übungen, die Dich persönlich an dem Punkt „abholen“, an dem Du bist und Dich am schnellsten und effektivsten weiterbringen. Trompetespielen lernt man nun mal nicht durch Lesen – zumindest bis jemand das geniale Buch geschrieben hat, auf das wir alle warten.

Und zum Schluss noch für die, die bei einem Auftritt nervös sind (oder im Job etwas zu präsentieren haben): Die richtige Atmung senkt den Stresspegel. Ist schon ne tolle Sache das mit dem Atmen.

Dann noch weitterhin viel Spaß dabei...

Christian
alfhh
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Re: Atmung

Beitrag von alfhh »

Toller Beitrag, Danke Christian!
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