Wer übt so leise als möglich?

Ansatzfragen, Welche Methode ist die beste,
Probleme, Gundlegende Techniken etc.

Moderator: Die Moderatoren

Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Donnerstag 22. Juni 2017, 11:14

Ich bereite mich gerade auf ein paar anstrengende Auftritte vor und weil es derzeit so heiß ist, verlege ich die Übezeiten auf den Abend.
Dazu setze ich mich auf die Terrasse und spiele notwendiger Weise mit dem Bremner Shhhhh...Mute auf der Trp oder mit dem Silent Brass System von Yamaha auf dem Flgh.
Bei letzterem fällt mir auf dass sich die Töne mit In Ear Kopfhörern noch besser zentrieren lassen und dass ich versuche immer leiser zu spielen, dennoch "kommen" alle Töne und sprechen gut an.
Spielt man ohne Kopfhörer, ist das schon wirklich sehr leise.

Nun interessieren mich eure Meinungen.
Ein Lehrer von mir sagte mal: "Ehe man laut spielen kann, muss man erst mal leise spielen können!"
Andere sagen: "Nur von laut spielen bekommt man Kraft und Ausdauer!"

"Formt" sich der Ansatz beim leise Spielen besser? Leidet aber umgekehrt dann die Ausdauer im "echten Leben?!"
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Dobs » Donnerstag 22. Juni 2017, 12:40

Ich finde grundsätzlich, wer laut spielen will, muss auch laut üben (nicht nur), wer hoch spielen will, muss hoch üben etc.. (Sehr) leises spielen hat aber m. E. auf jeden Fall einen positiven Effekt auf die Ausdauer und die Tonhöhe, da für das extrem leise, treffsichere spielen von Tönen eine vergleichbare Unterstützung der Rumpfmuskulatur (sprich: Stütze) erforderlich ist, wie bei hohen Tönen.

Bob Odneals High-Note-Methode 'Casual Double High C' baut auf diesem Prinzip auf: http://www.bobodneal.com
"Musik und Bier sind Themen, die traditionell sehr eng miteinander verbunden sind." - Sch.-Hausbrandt (Herri Bier)
Benutzeravatar
Dobs
Moderator
 
Beiträge: 5125
Registriert: Dienstag 13. Januar 2004, 16:12
Wohnort: Hannover

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Cavaillé » Donnerstag 22. Juni 2017, 17:34

Fama hat geschrieben:Ein Lehrer von mir sagte mal: "Ehe man laut spielen kann, muss man erst mal leise spielen können!"
Andere sagen: "Nur von laut spielen bekommt man Kraft und Ausdauer!"
"Formt" sich der Ansatz beim leise Spielen besser? Leidet aber umgekehrt dann die Ausdauer im "echten Leben?!"


Ersteres ist m.E. genau richtig und letzteres auch. Es geht darum, ein extrem schwingungsfähiges closed aperture setting mit möglichst viel Lippengewebe (aperture tunnel = viel Segelfläche am Wind) zu etablieren. Hardenberger Zitat: "there are two building blocks - air and vibration". D.h. die Lippen- Kiefereinstellung (untere und obere Zahnreihe in einer Ebene) muss so sein, dass schon ein kleiner Lufthauch (hoo-attack, dann poo-attack, dann too-attack) das System Ansatz in Schwingung versetzt. Dann baut sich ganz innen Muskulatur auf, die dann auch nach Training größeren Belastungen (lautem und hohem Spiel) standhält, ohne dass sich das Setup verändert. Gutes Training dafür sind auch ausgiebige bending Übungen.
Ich vergleiche das immer mit einem Bild im Rahmen. Der Rahmen sind die knöchernen Strukturen (Kiefer, Zähne), die Lippen das Bild, wenn der Rahmen verzogen ist, wird das Bild fehlerhaft dargestellt, verschwimmt. Um im Bild zu bleiben geht es jetzt noch darum, einen dicken stabilen Farbauftrag (aperture tunnel) zu realisieren.

Fama hat geschrieben:Dazu setze ich mich auf die Terrasse und spiele notwendiger Weise mit dem Bremner Shhhhh...Mute auf der Trp oder mit dem Silent Brass System von Yamaha auf dem Flgh.Bei letzterem fällt mir auf dass sich die Töne mit In Ear Kopfhörern noch besser zentrieren lassen und dass ich versuche immer leiser zu spielen, dennoch "kommen" alle Töne und sprechen gut an.


Ist auch meine Erfahrung. Eine gute Übung ist leise auf dem Übedämpfer so wie oben beschrieben hoo - bending - poo -bending - too - bending - lip it up ! Bending immer 1 - 2 Halbtonschritte, schön stufig. Lip it up meint in das Zentrum des Tones kommen, das im oberen Tondrittel liegt. S. dazu auch Monster Oil Brass Chats mit Jim Pandolfi, ein genialer Typ.

Gruß, Thomas
The trumpet is steadfast and loyal. It makes us grow up, in order to Play. John Daniel
Benutzeravatar
Cavaillé
ExtremPoster
 
Beiträge: 390
Registriert: Dienstag 15. Dezember 2009, 20:21

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon X1_KNOXVILLE » Donnerstag 22. Juni 2017, 18:52

Cavaillé hat geschrieben: Zentrum des Tones, das im oberen Tondrittel liegt

Kannst du das genauer erläutern ?
X1_KNOXVILLE
SuperPoster
 
Beiträge: 229
Registriert: Dienstag 21. April 2015, 15:28

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Freitag 23. Juni 2017, 05:56

Cavaillé hat geschrieben: D.h. die Lippen- Kiefereinstellung (untere und obere Zahnreihe in einer Ebene) muss so sein, dass schon ein kleiner Lufthauch
(hoo-attack, dann poo-attack, dann too-attack) das System Ansatz in Schwingung versetzt.


Hallo Thomas, damit hast du sehr viel gesagt.
Diese Übungen mache ich seit Jahren.
Gestern habe ich zudem mal Töne ab d2 aufwärts mit dem Bremner Dämpfer so leise und lange wie möglich gespielt, und dabei drauf geachtet
dass sich die Tonqualität nicht verändert.
Wenn das keine Ausdauer bringt dann hilft gar nichts.
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon X1_KNOXVILLE » Freitag 23. Juni 2017, 14:17

Fama hat geschrieben:Gestern habe ich zudem mal Töne ab d2 aufwärts mit dem Bremner Dämpfer so leise und lange wie möglich gespielt, und dabei drauf geachtet
dass sich die Tonqualität nicht verändert.

Fürs leise spielen braucht man doch keinen Dämpfer ? :?
X1_KNOXVILLE
SuperPoster
 
Beiträge: 229
Registriert: Dienstag 21. April 2015, 15:28

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Freitag 23. Juni 2017, 14:24

Ich wohne zwar am Land und im Grünen, habe aber Nachbarn.
Weiß nicht wie deine reagieren würden, wenn du ihnen beginnend 21h was vorspielst im Freien?
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon X1_KNOXVILLE » Freitag 23. Juni 2017, 16:08

Welchen Sinn macht es auch im Freien mit Dämpfer üben ? :roll:

Wenn ich raus gehen sollte, dann der Akustik wegen ! In ein Waldstück oder auf eine Landwiese wo ich niemanden störe und den vollen Hall abbekomme. Und wenn ich Zuhause üben sollte, dann möglichst ohne Dämpfer in einem Überaum, da Dämpfer einen gewissen Widerstand und Intonationabweichung mit sich bringen.
X1_KNOXVILLE
SuperPoster
 
Beiträge: 229
Registriert: Dienstag 21. April 2015, 15:28

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Cavaillé » Freitag 23. Juni 2017, 17:10

Habe das so verstanden und teile auch die Erfahrung, dass ein Übedämpfer helfen kann, das Zentrum des Tons zu finden und zu trainieren und so optimal zu projizieren. Ich glaube, dass die meisten zu laut auf dem Übedämpfer spielen und damit ihr Setup schädigen. Leise ist er ein gutes Tool.
X1_KNOXVILLE hat geschrieben:Kannst du das genauer erläutern ?

Die Sache mit dem Zentrum im oberen Drittel des Tones findet man hier https://www.brasschats.com/interviews/jim-pandolfi. Ein geniales Interview, wer den Film nicht sehen will, findet auch eine Zusammenfassung auf der Seite.
Es geht viel um Projektion und den "ringing sound ", der entsteht, wenn man das obere Drittel anpeilt.
Hatte selbst die Erfahrung mit der Projektion mit einer Bruckner 4, die ich vor vielen Jahren in Berlin spielen durfte. Ich habe wirklich alles an Kraft gegeben, der Kollege von der HDK, der als Aushilfe mittag hatte über so viel Lautstärke gestaunt.
Als ich dann einige Wochen später die Aufnahme bekam, habe ich von mir und meinen Mittrompetern fast nichts gehört, während Posaunen, Tuba und Hörner voll präsent waren.
Sehr viel später habe ich begriffen, dass nicht das was am Pult laut ist auch draußen gehört wird.
Dieses Prinzip realisiert Pandolfi mit seinem Ansatz, das "Lip it up" in den projektionsfähigen Teil des Tones.

Gruß, Thomas.
The trumpet is steadfast and loyal. It makes us grow up, in order to Play. John Daniel
Benutzeravatar
Cavaillé
ExtremPoster
 
Beiträge: 390
Registriert: Dienstag 15. Dezember 2009, 20:21

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Samstag 24. Juni 2017, 10:06

X1_KNOXVILLE hat geschrieben:Welchen Sinn macht es auch im Freien mit Dämpfer üben ? :roll:

Wenn ich raus gehen sollte, dann der Akustik wegen ! In ein Waldstück oder auf eine Landwiese wo ich niemanden störe und den vollen Hall abbekomme. Und wenn ich Zuhause üben sollte, dann möglichst ohne Dämpfer in einem Überaum, da Dämpfer einen gewissen Widerstand und Intonationabweichung mit sich bringen.


Das ist schön für dich.
Wenn du mein Eingangsposting gelesen hättest, wüsstest du den Grund warum ich derzeit draußen und mit Übedämpfer spiele.
Spielt sich schlecht im Wald am Abend wenn die Kinder schlafen und ich nicht daheim bin.

Wenn du selbst zum Thema nichts beitragen kannst/willst, dann lass es einfach.

P.S.: Spiele heute Paul Dukas Fanfare vor 2500 Leuten. Ohne Übedämpfer. Im Freien.
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon blechfan » Samstag 24. Juni 2017, 11:25

Fama hat geschrieben:Spiele heute Paul Dukas Fanfare vor 2500 Leuten. Ohne Übedämpfer. Im Freien.

Wünsche Dir gutes Gelingen!
Gruß blechfan
blechfan
Unverzichtbar
 
Beiträge: 528
Registriert: Donnerstag 2. April 2009, 21:49
Wohnort: Großraum Stuttgart

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon X1_KNOXVILLE » Samstag 24. Juni 2017, 13:20

Fama hat geschrieben:Wenn du mein Eingangsposting gelesen hättest, wüsstest du den Grund warum ich derzeit draußen und mit Übedämpfer spiele.

Als ob man tagsüber nicht im kühlen Keller spielen kann…

Fama hat geschrieben:Spielt sich schlecht im Wald am Abend wenn die Kinder schlafen und ich nicht daheim bin.

Und das soll ich von deinem ersten Post erfahren das du Kinder hast und evtl. auch keine Frau daheim hast die auf die Kinder aufpasst während du dein Stück übst…

Fama hat geschrieben:Wenn du selbst zum Thema nichts beitragen kannst/willst, dann lass es einfach.
P.S.: Spiele heute Paul Dukas Fanfare vor 2500 Leuten. Ohne Übedämpfer. Im Freien.

Viel Glück für heute !
X1_KNOXVILLE
SuperPoster
 
Beiträge: 229
Registriert: Dienstag 21. April 2015, 15:28

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Sonntag 25. Juni 2017, 19:17

Danke, war ein irres Wochenende
.
Wo, außer unter Musikern, gibt es noch ein Fest, bei welchem man (notgedrungen, weil gesetzesbedingt) eine Heerschar von Securities und Polizei stellen muss,
und dennoch nichts passiert außer guter Laune?!?
P.S.: Keller habe ich. Aber der ist kalt und feucht und nur für Wein und Most, nicht aber für das Üben geeignet :-)
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon lurchi » Dienstag 27. Juni 2017, 14:03

Fama hat geschrieben:P.S.: Keller habe ich. Aber der ist kalt und feucht und nur für Wein und Most, nicht aber für das Üben geeignet :-)

Aber das ist doch ideal zum Üben! Mit direktem Zugriff auf Wein und Most!
Benutzeravatar
lurchi
Moderator
 
Beiträge: 1531
Registriert: Freitag 6. August 2004, 09:44

Re: Wer übt so leise als möglich?

Beitragvon Fama » Mittwoch 28. Juni 2017, 05:30

Kommt drauf an ob Weisenblasen oder Stücke mit 7 fis Lurchi :-)
Benutzeravatar
Fama
Unverzichtbar
 
Beiträge: 641
Registriert: Dienstag 10. Februar 2009, 08:56
Wohnort: Pandora

Nächste

Zurück zu Fundamentales

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot] und 16 Gäste

cron