Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

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Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon kornettist » Donnerstag 12. Oktober 2017, 20:18

Hallo!

Ich habe mal eine Frage an diejenigen hier im Forum, die auch Trompetenunterricht erteilen, brauche mal etwas pädagogischen Rat. Ich habe einen 11-jährigen Schüler, der vor ca. 3 Jahren bei mir als Anfänger begonnen hat. Er ist sehr eifrig am Üben und ihm macht es großen Spaß, ich muss ihn manchmal sogar schon etwas bremsen, dass er sich nicht übernimmt und nicht die Trompetenschule auf der letzten Seite beginnt =) Nur stört mich etwas seine Tonqualität und ich weiß nicht so recht, ob ich da vielleicht zu hohe Ansprüche stelle oder ob es einfach noch etwas Zeit benötigt.

Leise Töne fallen ihm besonders schwer, im Regelfall spielt er gerne ziemlich laut, allerdings klingt sein Ton dabei immer so eng oder gequetscht, auch bei sehr tiefen Tönen. Ich kann es sehr schlecht beschreiben, es klingt halt ziemlich „trötig“ und nicht nach einem eleganten, vollen Ton. Er setzt absolut gerade an und drückt meines Erachtens auch nicht an. Vermutlich ist irgendwas mit seiner Luftführung oder dem Anstoß im Argen.

Von daher folgende Fragen an euch:

- Wie lange dauert es bei euren Anfängern erfahrungsgemäß, bis sich ein wirklich „schöner“ Ton entwickelt hat? Vielleicht bin ich einfach auch nur zu ungeduldig.
- Wie kann ich es gut „diagnostizieren“, ob seine Luftführung oder sein Anstoß ggf. nicht optimal ist? Oder habt ihr noch andere Ideen, woran sowas liegen könnte, wenn die Töne so „eng“ klingen?

Viele Grüße
kornettist
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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon Singvögelchen » Freitag 13. Oktober 2017, 21:20

Hi Kornettist, das ist genau mein Lieblingsthema :)

Wie lange das mit dem schönen Ton dauert, ist völlig individuell. Die Klangvorstellung im Kopf ist entscheidend, manchmal muss erst die Pubertät vergehen, bis da ein Umdenken erfolgt. Bei anderen ist das von Anfang an nie ein Problem.

Deine andere Frage ist für mich aus der Ferne leichter durchschaubar. Ich bin überzeugt, dass dein Schüler gerade wegen einer gewissen Begabung noch nie ernsthaft über Ansatz und Lippenspannung nachgedacht hat. Was prinzipiell in diesem Alter auch sehr gut ist, unverkrampt im Kopf. Ich glaube aber, dass er bei den Ansprachen anfangs die Lippe nicht offen hält (zuwenig Spannung im Ringmuskel), deswegen mit den leisen Tönen Probleme hat und dann mit (zu) großem Anblasdruck relativ spröde laute Töne produziert. Das Gefühl für das klangliche Zentrum hat er noch nicht. Vermutlich ist er in der hohen Lage auch permanent zu tief. Und eine geläufige Zunge dürfte auch noch nicht entwickelt sein.
Als Universalheilmittel dagegen kann ich immer wieder kurze leise Töne empfehlen, damit die Ansatzöffnung vor der Ansprache trainiert wird. Mit minimaler Zungenbewegung und einem winzigen Luftimpuls aus der Tiefe des Körpers. Wenn diese Ansprachen alle sitzen, kommt man bei längeren Tönen auch dem klanglichen Zentrum näher.
Jetzt darf nur nicht das Ansatzthema die Atmung völlig verdrängen, das ist deine Kunst als Lehrer, dass es nicht zu einseitig wird.
Das kann man wunderbar abwechselnd trainieren, mit Metronom oder ohne. Die "Duelle" im Trompetenfuchs beispielsweise halte ich für eine tolle Idee. Wenn du als Lehrer ordentlich vorlegst und er dich imitieren muss, bringt das tatsächlich euch beiden Fortschritte :D
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon kornettist » Sonntag 15. Oktober 2017, 11:18

Danke für deine Tipps! Ich probiere das mal aus.

Diese "Duelle" aus dem Trompetenfuchs klingen interessant. Hättest du die Möglichkeit, mir mal ein paar Beispiele zu zeigen? Eventuell per PN? Habe leider noch nie mit dem Trompeten-Fuchs gearbeitet.
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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon Singvögelchen » Sonntag 15. Oktober 2017, 19:50

Im Prinzip ganz einfach: jeder spielt abwechselnd den gleichen Ton. Bei den Duellen kommen zum Schluss ganz nette Melodien raus. Es geht aber auch mit einer simplen Tonleiter, Dreiklängen oder Fünftonräumen. Wichtig ist nur, dass es rhythmisch exakt abwechselt und dann halt Ansprache und Dynamik, Tonlänge und Feinintonation (Zentrum des Tones) möglichst übereinstimmen.
Ich finds super, um das Gehör zu schulen und den Punkt der Ansprache exakt zu positionieren.

https://www.google.de/imgres?imgurl=htt ... mrc&uact=8

Das hier ist ein ganz schlechter Link zu einem fortgeschrittenen Duell-Exemplar, vielleicht kannst du aber was erkennen. :)
Liebe Grüße vom Singvögelchen!


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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon kornettist » Montag 16. Oktober 2017, 08:05

Hallo!

Danke für den Link. Sieht ja interessant aus. Habe mich mal etwas belesen, es gibt wohl 3 Bände vom "Trompeten-Fuchs". Ich nehme mal an, dass der Link mit dem "Duell" aus dem letzten Band war, das ist ja schon ziemlich anspruchsvoll für eine Trompetenschule für Kinder.

Kannst du mir zufällig noch sagen, ob auch in Band 1 und Band 2 solche Duelle enthalten sind? Dann würde ich mir alle drei Bände einfach mal zur Ansicht bestellen und mal etwas "schmökern"...

Viele Grüße
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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon Jxny » Montag 16. Oktober 2017, 08:58

Im Band 1 sind einfache Duelle drin.
Lerne momentan selbst mit dieser Schule!
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Re: Ton klingt gequetscht und eng bei Anfängern

Beitragvon stg66 » Sonntag 22. Oktober 2017, 12:56

Hallo zusammen,

ich bin selbst seit 26 Jahren Trompetenlehrer an einer Musikschule. Den Trompetenfuchs kenne ich gut. Ich arbeite mit Anfängern und fortgeschrittenen Schülern sehr viel damit. Je fortgeschrittener umso mehr zusätzliches Material lasse ich in den Unterricht einfließen. Es sind sowohl im 1. als auch im 2. Band Duell-Übungen drin. Sie werden von Mal zu Mal schwerer. Aber es stimmt, der Schüler hört den wohl klingenden Ton des Lehrers und kann so besser sein Klangempfinden verbessern.
Aus meiner Parxis kann ich zu oben genannten Problemen mit Schülern, die einen sehr gepressten Ton haben, noch zwei weitere Tipps geben, die unter Umständen helfen können:

1. Erst in der Ansatzstellung Luft durch die Trompete blasen. Dazu MUSS der Schüler die Lippen stark öffnen, sonst klingt sofort der Ton. Mit etwas Glück und vielleicht mit ein bisschen Vorgaukeln des Lehrer entsteht nach einiger Zeit auch ein nicht gewollter Ton, der oft wesentlich besser klingt und dem Schüler mühelos erscheint. Darauf aufbauend kann der Schüler den Luftfluss verbessern und die Tonqualität erhöhen.

2. Töne nach unten biegen, ohne Ventile zu drücken. Man spielt ein g' dann ein fis' dann wieder ein g', erst mit Ventil danach mit dem selben Atem ohne. Das soll der Schüler dann nachmachen. Meistens braucht es einige Zeit, bis sich der Ton ein wenig nach unten drücken lässt. Macht das der Schüler konsequent mehrere Tage oder Wochen, wird er die Lippen leichter öffnen können.

Wie gesagt, das sind meine Erfahrungen in so einer Situation. Vielleicht kannst du ja das eine oder andere einmal ausprobieren.

Herzliche Grüße Stefan
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